Kühe, Berge & Buddha

25.10. 2016- Mein 25er Geburststag

Meine Woche in dem buddhistischen Kloster Anenja Vihara, in einem winzigen Bergdorf im Allgäu, zwischen Kuh- und Ziegenherde ist jetzt vorbei. Weil es mir ziemlich schwer fällt diese Erfahrung zusammenzufassen hier ein paar Auszüge aus meinem Notizbuch:

Tag 1: Jetzt widme ich mich erst mal dem für was ich hier bin. Achtsam im Moment verweilen. Für heute heißt das nicht viel anderes, als mit einer Tasse Tee in der Hand in der Sonne zu sitzen und die Berge zu betrachten. – „Die Erkenntnis lehrt mich, dass ich nichts bin. Die Liebe lehrt mich, dass ich alles bin. Dazwischen fliest mein Leben.“ Nisagadatta Maharaj

Tag 2:Ich bin so schrecklich müde. Ich habe einen schlimmen Husten. Und dazu bin ich noch ein Jammerlappen.- Heute möchte ich mich in der Abendmeditaion der Selbstliebe widmen. Denn wenn ich mich nicht selbst liebe wird es auch nie möglich sein andere zur lieben. Außerdem muss ich mit mir selber 24 Stunden, 7 Tage die Woche zusammen sein… und wer hängt schon gern mit jemand rum den man nicht leiden kann?

Tag 3:Ich habe beschlossen die ganze Woche hauptsächlich Metta Meditaion* zu üben. Angefangen habe ich gestern bei mir selbst. Heute mache ich mit Freunden weiter, morgen sind neutrale Personen dran und übermorgen dann „Feinde“.Bis am Ende der Woche mein Herz hoffentlich ein bisschen weiter geworden ist.

Tag 4: Langsam schleicht sich der Wahnsinn in meinen Kopf. Ich bin ungeduldig und deswegen wütend auf mich selbst. Die letzten 20 Minuten jeder Meditation muss ich meine ganze Kraft aufbringen zumindest halbwegs still auf dem Kissen sitzen zu bleiben. Meine Knie schmerzen vom sitzen und mein Geist quängelt wie ein kleines Kind.

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Tag 5: Ich bin jetzt in meiner „Metta-Projektwoche“ bei Feinden angelangt. Ich habe gedacht das ist sehr viel einfacher. Aber es kommen immer wieder alte Gefühle hoch so dass ich immer wieder zu mir zuück kehren muss. Trotzdem zeigt die Meditation langsam ihre wirkung. Ich grinse wie eine Buddha-Kuh…. Appropo Kühe. Ich liebe Kühe. Hier auf der Wiese neben dem Haus ist eine Weide und es gibt kaum etwas entspannenderes als diesen Tieren beim grasen zuzuschauen. Das macht mich sehr glücklich.

Tag 6: Die erste edle Wahrheit: Leben ist Leiden*. Warum nur leugnen wir das ständig? Warum meinen wir immer wir seien die einzigen die Leid erfahren? Und warum meinen wir, das dann etwas mit uns nicht stimmt?

Tag 7: „Die Erde ist nicht der Ort, an dem wir Zufriedenheit finden können, das ist nicht ihre Aufgabe“ Ajahn Sumedho – Deine Bedürfnisse werden nie befriedigt werden wenn du ausserhalb von dir suchst. – Der tag ist rum. Und damit auch meine Woche hier… Jetzt geht das Abendteuer erst richtig los!

Jetzt sitze ich mit einem bisschen schweren Kopf in der Wohnung meines Couchsurfing Hosts in Salzburg und höre eine CD die ich gestern von einer sehr netten Konzertpianistin bekommen habe, die mich beim trampen mitgenommen hat.Wir haben uns über Gott und die Welt unterhalten, ein bisschen Politik, Gesellschaftskritik und natürlich über das Leben. Ihre postitive Art hat mir einmal mehr gezeigt, wie es für absolut alles im Leben verschiedene Blickwinkel gibt. Ihrem Kampf gegen denKrebs beschrieb sie einfach nur als interessant und als wir und über Musik unterhalten haben sagte sie: „ DasMusik Emotionen ausdrücken ist Schwachsinn. Das ist so dumm!. Sie ist eine Sprache Gottes, tief spirituell. Wir können sie nur nicht verstehen.“ Und genau deswegen liebe ich das trampen. Man trifft so viele interessante, freudliche und offene Menschen. Jedem, der bei dem ganzen Bullshit in dieser Welt den Glaube an die Menschheit verloren hat, kann ich das nur raten. Beim per Anhalter fahren gewinnt man ihn auf jeden Fall zurück. Ich würde nicht anders reisen wollen. Natürlich ist es auch ab und zu ermüdend oder man steht ein paar Stunden im Regen ohne, dass jemand hält. Aber die guten Erfahrungen wiegen die schlechten tausendfach auf. Wie so oft sind die allerbesten Dinge im Leben eben umsonnst.

So und sobald ich es schaffe von diesem Sofa aufzustehen geht es weiter zu meiner Oma Richtung Wels, Oberösterreich. So wie ich sie kenne wartet das Essen bestimmt schon.

Was für ein perfekter Geburtstag. Ich liebe diese Freiheit!

 

*Begriffserklärungen:

Metta ist ein Begriff in pali und wird meist mit liebende Güte übersetzt. Wenn man sich in Metta-Meditaion übt wünscht eigentlich nur Menschen gutes. „Mögen alle Wesen glücklich sein“ ist dafür der üblicherweise gebrauchte Satz. Das schöne bei Metta ist, dass es dich selbst glücklich macht. Ausprobieren!

Die vier edlen Wahrheiten sind die wichtigsten Annahmen in der buddhistischen Philosopie.Ohne Erklärungen ziemlich schwer zu begreifen. Aber sie lauten:

  1. Die edle Wahrheit über das Leiden
  2. Die edle Wahrheit über die Entstehung des Leidens
  3. Die edle Wahrheit über die Beendigung von Leiden
  4. Die edle Wahrheit über den Pfad der Ausübung, der zur Beendigung des Leidens führt

 

Veröffentlicht in Pray

2 Gedanken zu “Kühe, Berge & Buddha

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