Halbzeit

Auf dem Weg nach New Orleans, 16.11.2016

Seit einem Monat bin ich jetzt schon „on the road“. Halbzeit! Der europäische Part meiner Reise ist vorbei. Im letzten Monat war ich in einem Buddhistischen Kloster im Allgäu um zu meditieren, habe meinen Geburtstag in Salzburg gefeiert und meine Großmutter in Oberösterreich besucht. Ich war mit meinem Vater in Tirol wandern und eine Nacht in Bern. In Taizé habe ich fünf Tage im Schweigen verbracht und ich war bei Freunden in Lyon. In einem kleinen Dorf an der Loire habe ich, genauso wie in Brüssel, wichtige Wegbegleiter vom Jakobsweg wieder getroffen. In Amsterdam habe ich getanzt und vor Glück geweint. In Leeuwarden (Nordholland) habe ich ein Teil meiner Taizé Familie besucht, in Kiel das Mädchen, das ich weinend auf dem Camino gefunden habe. Bei dem Versuch nach Kopenhagen zu trampen bin ich sehr nass geworden und schlussendlich auf den Zug umgestiegen. Jetzt sitze ich im Flugzeug auf meinem Weg nach New Orleans und blicke zurück…

Der letzte Monat war wirklich etwas Besonderes. Es fällt mir schwer die richtigen Worte zu finden um meine unendliche Dankbarkeit auszudrücken. Natürlich war es nicht immer einfach. Ich war oft erschöpft und habe geweint, weil mir alles zu viel war. Ich habe geflucht und mich frustriert gefragt warum ich das alles eigentlich tue. Trotzdem habe ich mir nie gewünscht zu Hause zu sein. Ich habe Schmerzen in den Knien, davon meinen Rucksack durch die Gegend zu schleppen und bin erkältet, weil ich nirgendwo genug Zeit habe mich auszuruhen. Aber all das ist es wert! Irgendwann, als ich wieder einmal irgendwo, von irgendwem Abschied nehmen musste habe ich gelernt, dass alles im Leben seinen Preis hat. Oft ist es einfach nur ein Stück meines Herzens, das ich an den Orten zurücklassen muss, die es zum Strahlen brachten. Seitdem ich angefangen habe zu reisen war mein Herz nicht mehr komplett. An so vielen Straßenecken, in so vielen Städten und bei so vielen besonderen Menschen habe ich Teile davon verloren. Umso dankbarer bin ich dafür, dass ich viele Stücke davon im letzten

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Über den Wolken…

Monat besuchen durfte. Meine Reise wäre nichts gewesen ohne all die lieben Freunde, die mich wie selbstverständlich bei sich aufnahmen. Dank ihnen habe ich wieder einmal feststellen dürfen, dass man im Leben nicht mehr braucht als ein gutes Glas Rotwein, ein leckeres Essen und ein Tisch voller Freunde – und schon sind all die Tränen, alle Schmerzen und jede Erschöpfung vergessen. Ich fühle mich wirklich gesegnet und jedes Lächeln, jede freundliche Geste und all das Glück, das ich habe trägt dazu bei das dieses Gefühl in jedem Moment zunimmt. Das Leben ist schön, meine Freunde!

 „Der Moment wo ein Pink Floyd Solo aus deinen Kopfhörern kommt und beim Landeanflug auf London die Sonne in das Fenster scheint. Du lächelst, perfekter könnte das Leben kaum sein.“

Und dann ist da noch das Schreiben. Ich kann euch gar nicht sagen wie mich das erfüllt. Schon immer habe ich meine Notizbücher vollgekritzelt. Aber meine Gedanken und Erlebnisse mit anderen zu teilen setzt in mir so viel Kreativität frei. In den Nächten oder früh morgens, wenn meine Gastgeber schlafen, schreibe ich. Ich schreibe in Zügen, Bussen und Flugzeugen. Lange wollte ich mir nicht mal einen Computer kaufen- jetzt gehöre ich zu denen, die immer als erstes nach dem Wlan-Passwort fragen. Ich glaube, ich habe das gefunden, was ich wirklich machen will. Scheiben.

Ich freue mich sehr auf den Monat, der noch vor mir liegt. Natürlich auch auf New Orleans am meisten jedoch auf Randy. Ein Freund, den ich auf dem Jakobsweg kennenlernen durfte und der seit unserem Abschied in Santiago de Compostella ein großes Stück meines Herzens besitzt. Er weiß nicht, dass ich ihn in Florida besuchen werde. Eigentlich wollte ich ihn zu seinem Geburtstag überraschen, aber jetzt sieht es wohl so aus als würde ich ein paar Tage früher da sein und Thanksgiving mit ihm feiern. Wie amerikanisch! =)


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