Die Realität holt auf

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Floridas wunderschöne Natur

In den fünf Monaten, die ich in meinem Heimatdorf verbracht habe, war diese Reise mein Fluchtpunkt. Wenn mir die Arbeit im Restaurant meiner Mutter über den Kopf wuchs habe ich die Tage gezählt. Diese Reise war mein Traum und das ist sie noch immer. Aber zu Hause habe ich nie von den schwierigen Momenten geträumt. Ich dachte, dass ich all meine Probleme zurück lassen würde. Eigentlich sollte ich das, spätestens seit dem Jakobsweg, besser wissen. Es hat kein Wert vor deinen Dämonen weg zu rennen. Sie sind in dir. Das dufte ich auch auf dieser Reise erkennen. In den letzten Wochen war es einfach mich abzulenken. Dadurch, dass ich nie lange an einem Ort blieb, waren die Eindrücke so stark, dass sie mich von all meinen Gefühlen ablenkten. Jetzt wo ich schon seit einer Woche in Florida bin holt mich die Realität ein. Ich bin gestern und heute mit Tränen in den Augen aufgewacht. Es ist nicht so, dass ich das nicht kennen würde. Ich habe Depressionen seit dem ich 14 bin. Aber ich weiß leider immer noch nicht wie ich „richtig“ damit umgehe. Da ist einfach dieser Schmerz in mir der mich an manchen Tagen fast auseinander reist. Immer wieder reagiere ich gleich drauf. Zu Hause wie auch hier. Ich mache mein Umfeld dafür verantwortlich. Meine Freunde die sich nicht so verhalten wie ich es gerne hätte oder meine Eltern, die zu viel gearbeitet haben als ich ein Kind war. Ich weiß ganz genau, wie dumm all das ist. Aber den anderen die Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übertragen scheint ein natürlicher Instinkt zu sein. Es ist einfacher als an sich selbst zu arbeiten. Und wenn nicht die anderen Schuld sind, dann sind es meine Lebensumstände. Ich erkenne jetzt erst wie unglücklich ich mich zu Hause gemacht habe. Ich habe alles vernachlässigt und nur von dieser Reise geräumt. Als ob sie all meine Probleme lösen würde. Ich will mich nicht beschweren, es ist immer noch viel besser im sonnigen Florida traurig zu sein, als im regnerischen Deutschland. Aber auch hier habe ich mich dabei erwischt, wie ich weitere Reisepläne schmiede, weil wo anders natürlich alles viel besser ist.

Ich weiß, dass das nicht stimmt. Deswegen bin ich immer noch hier. Auch wenn es schwer ist, der einzige Weg aus solchen Phasen heraus zu kommen ist die Traurigkeit anzunehmen statt gegen sie zu kämpfen. Jetzt wo ich, meinen Traum lebe erwarte ich von mir selbst immer glücklich zu sein. Das ich dieser Erwartungshaltung nicht gerecht werden kann weiß ich. Deswegen muss ich lernen, dass es ok ist unglücklich zu sein. Auch wenn es ein super beschissenes Gefühl ist und ich am liebsten nur weinen würde.

In einem der Büchern aus Randys Bibliothek habe ich die Tage etwas über Unbeständigkeit gelesen. „Alles verändert sich“. Das scheint offensichtlich und klingt einfach. Aber wenn dein Handeln beobachtest, mit diesen Worten im Hinterkopf, wirst du erkennen wie oft wir gegen diese simple Wahrheit kämpfen. Wir sträuben uns dagegen. Wollen entweder, dass die Dinge so bleiben wie sie sind oder dass sie sich in eine bestimmte Richtung verändern. Und dann, ja dann, sind wir endlich glücklich. So wie ich von meinen Reisen geträumt habe und dabei, dass Glück vergessen habe. Denn dieses werden wir nie finden, wenn wir unser Umfeld oder unsere Lebensumstände dafür verantwortlich machen. So suchen wir es an den falschen Orten. Es ist ein Blick nach Innen, der es preis gibt. Und ja, manchmal wird dort Traurigkeit sein, manchmal Wut, manchmal absolute Verwirrung. Aber das ist ok, das gehört dazu. Die Traurigkeit kommt. Sie bleibt ein bisschen und geht irgendwann auch wieder. Ich lebe glücklicher, wenn ich diesen Fakt akzeptiere. Ich versuche mich, statt in Zukunftsträumen (zum Beispiel von Nepal) zu verlieren im jetzigen Moment zu verankern. Denn genau in diesem wohnt das Glück.

Das ist wohl der ehrlichste und persönlichste Post, den ich bis jetzt geschrieben habe. Aber auch das Leben auf Reisen hat seine Höhen und Tiefen. Wichtig ist nur wie man damit umgeht, denke ich. Und auch wenn es anstrengend ist bin ich dankbar dafür, dass mir die Traurigkeit bis hier her gefolgt ist. Dadurch, dass sie mir in einem neuen Umfeld begegnet kann ich alte Verhaltensmuster einfacher auflösen. So kann man in allem Schlechten etwas positives finden und das werde ich weiterhin versuchen, Tag für Tag


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