USA: Trees, Trump & Thanksgiving

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Immer noch in Gainesville habe ich meine „Krise“ zum Glück soweit überwunden. Ich versuche stetig im Moment zu leben, statt mein Glück auf morgen zu verschieben. Die Natur, die wundervollen Menschen und Meditation helfen mir dabei.

Das Leben hier ist nicht sehr aufregend, aber trotzdem wunderschön. Ich sitze, wie jetzt auch gerade, viel in Randy´s Restaurant an der Bar, schreibe und unterhalte mich mit den Mädels hinter dem Tresen. Es tut meinem Blog gut ein regelmäßigen Lebensstil zu führen. Ich stehe um 8 auf, meditiere und arbeite am Vormittag. Wie ihr vielleicht bemerkt habt hat sich hier auch ein bisschen etwas getan. Leider bin ich nicht so begabt was Webdesign angeht. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich das in den nächsten Monaten ändern wird. Es gibt schließlich nichts was wir nicht lernen können.

Wenn ich nicht arbeite erkunde ich mit dem Fahrrad die Umgebung. Die fremde Schönheit der Natur hier lässt mich auch noch nach fast zwei Wochen immer wieder aufs Neue staunen. An jeder Ecke kann man riesige, Liit spanischem Moos überwucherte, „Lifeoaks“  bewundern. Ich genieße es durch die unbekannten Wälder zu schlendern und

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Lifeoak

mich von den Eindrücken überfluten zu lassen. Hier färben sich langsam die Blätter der Laubbäume bunt und bilden einen herrlichen Kontrast zu den immergrünen Palmen. Ich bin nur begleitet von dem Geräusch, das meine Schritte auf dem mit trockenem Laub bedeckten, sandigen Weg machen. Es gibt kaum etwas was mich mehr entspannt als die Ruhe eines Waldes. Ich setze mich auf den Boden und höre den Geräuschen zu. Grillen zirpen, Vögel zwitschern, der Wind bläst durch das trockene Laub. Hier verbirgt sich mehr Schönheit, als in jedem von Menschen geschaffenen Kunstprojekt.

Aber nicht nur die Wälder unterscheiden sich von denen zu Hause. Auch wenn die USA europäische Wurzeln haben, ist die Kultur hier ist eine ganz andere. Zum Beispiel ist alles ein bisschen größer: Die Autos und Straßen sind gigantisch, die riesigen Supermärkte haben eine Auswahl an Ungesundem, wie ich sie noch nie gesehen habe und in den Städten ist man ohne Auto, aufgrund der weiten Distanzen, komplett adsc_0780ufgeworfen. Als Deutsche bin ich es nicht gewohnt mich mit Fremden zu unterhalten, aber hier fragt man selbst Frau am Bankschalter wie es ihr geht. Man kann wirklich mit jedem, so gut wie überall, eine Unterhaltung beginnen. Es ist sehr hart sich vorzustellen, dass dieses Land erst vor Kurzem Trump zu seinem Präsidenten gewählt hat, bei all diesen netten Menschen. Die meisten meiner Freunde schwanken zwischen Unglauben und Entsetzen ob dieser Wahl. Das alltägliche Leben wird von diesem fragwürdigen neuen Präsidenten bis jetzt allerdings noch nicht sehr beeinflusst. Absehbar sind die Konsequenzen wohl erst wenn dieser Verrückte im Januar in das weiße Haus einzieht. Hoffen wir bis dahin auf ein Wunder. Vielleicht erkennt der Mann, der hier oft mit Hitler verglichen wird, dass er absolut ungeeignet für diesen Posten ist. Denn während sich die ganze Welt über die Entscheidung der USA lustig macht, könnten die Folgen so verheerend sein, dass uns allen das Lachen vergeht. Denn dass Wahnsinn, Rassismus und Dummheit eine verheerende Mischung ergeben, sollten wir so langsam wissen.

Am Donnerstag war Thanksgiving. Ein Erntedankfest dessen Ursprünge zurück bis in die Zeit der Gründerväter führen. Heutzutage geht es allerdings fast ausschließlich um das Essen. Die ganze Familie kommt zusammen und es gibt einen Truthahn, von dem alle noch wochenlang essen können. Während man den ganzen Tag kocht schaut man Blödsinn im Fernsehen an und trinkt jede Menge Alkohol. Ein wunderbares Fest. Ich hätte nach Frankreich nicht gedacht, dass ich noch einmal so viel essen würde, aber an diesem langen Wochenende wurde ich eines besseren belehrt. Selbst für mich als Vegetarier gab es eine große Auswahl. Drei verschiedene Gemüse, Stuffing (In einer Auflaufform gebackene Brotwürfel), Cranberry-sauce und nicht zu vergessen, der wohl wundervollste Nachtisch der Welt, Kürbiskuchen.

Weil es aber an Thanksgiving um etwas ganz anderes gehen sollte möchte ich noch ein paar Worte los werden zum Thema Dankbarkeit. Wie wichtig Dankbarkeit ist, habe ich wie so vieles auf dem Jakobsweg gelernt. Dankbarkeit ist ein simpler Weg deine Gedanken in eine positive Richtung zu lenken. Wenn wir Dankbarkeit praktizieren und sei es nur für 5 Minuten am Tag ändern wir langsam die Perspektive, aus der wir auf unser Leben blicken. Es gibt immer zwei Möglichkeiten das halbvolle/halbleere Glas zu sehen. Wir sind definitiv glücklicher, wenn wir der gefüllten Hälfte mehr Beachtung zukommen lassen. Das machen wir indem wir einfach die Geschenke des Lebens anerkennen und uns dafür bedanken. Warum lassen wir uns nicht einfach mal von den Kleinigkeiten des Lebens ein Lächeln auf unser Gesicht zaubern? Warum nicht einfach mal dankbar sein für die nette Kollegin statt sich über den scheiß Job aufzuregen? Denk einfach mal dran wie viele Leute nicht mal einen Computer haben bevor du dich über die schlechte Wlan-Verbindung beschwerst. Als ich vor 2 Jahren angefangen habe mein Abitur nachzumachen hatte ich im Monat 250€ zur Verfügung. Das ist wirklich nicht viel Geld zum Leben, aber immer wenn ich mir etwas nicht leisten konnte, habe ich mich einfach für all das was ich hatte bedankt und es war halb so schlimm. Schließlich hatte ich genug zu Essen, war gesund und hatte ein Dach über dem Kopf. Worüber sollte ich mir also Sorgen machen? Das Leben ist nur was du draus machst. Um mich täglich daran zu erinnern mache ich morgens und Abends eine simple Übung. Ich bedanke mich für zehn Dinge.

Zehn Dinge für die ich heute dankbar bin…dsc_0767

  1. Ich bin dankbar, dass ich Randy´s Fahrrad ausleihen kann, das mir so viel Mobilität verleiht.
  2. Ich bin dankbar für Randy und und seine Frau Janet, bei denen ich zu Gast sein darf
  3. Ich bin dankbar dafür, dass ich mich hier hauptsächlich vegan ernähren kann
  4. Ich bin dankbar dafür, dass meine Familie so tolerant ist und sie mich alle unterstützen.
  5. Ich bin dankbar für die Natur hier, die mir immer wieder neue Energie gibt.
  6. Ich bin dankbar für die Freunde die ich auf dieser Reise besuchen durfte
  7. Ich bin dankbar für meine Freiheit
  8. Ich bin dankbar dafür, dass ich täglich meditiere
  9. Ich bin dankbar für die Musik, die mich oft davon abhält wahnsinnig zu werden
  10. Ich bin dankbar, dass es hier warm ist und die Sonne scheint

Und du? Für was bist du dankbar?


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