Freistadt Christiania

Gelebte Freiheit in Dänemark

Freistaat Christiania - Geleibte Freiheit in Dänemark. Wie aus einer besetzten Kaserne eine staatlich geduldelter autonomer Bezirk wurde und was es dort zu sehen gibt

Kurz nachdem ich den Artikel über das alleine Reisen fertig geschrieben hatte, fühlte ich mich einsam. Ich vermute es war der Kulturschock. Nach drei Wochen in den USA war ich die kalte Europäische Art nicht mehr gewohnt. In Kopenhagen bekam ich ganz anders als in New Orleans selten auf mein Lächeln eines zurück und Fremde sprechen nicht miteinander. Wie immer wenn ich einen neuen Ort besuche, lief ich stundenlang durch die Stadt, besuchte Kirchen und schaute mir die Sehenswürdigkeiten an, die mir zufällig über den Weg kamen. So stieß ich auch auf Christiania. Dort war es mir unmöglich mich alleine zu fühlen. Dieses autonom organisierte Wohnviertel inmitten Kopenhagens ist einzig in seiner Art, eine bunte Insel in einer grauen Welt. Immer tiefer tauchte ich ein in seine verschlungenen Gassen und voller Faszination vergaß ich all die Einsamkeit, die mich davor erfüllt hatte.

Geschichte

Die Anfänge der Freistadt Christiania liegen, wie könnte es auch anders sein, in den Siebzigern. 1971 wurde ein altes Militärgelände von wütenden Anwohnern besetzt, die gegen den Wohnungsmangel protestierten. Damals war noch nicht abzusehen, dass aus dieser, zuerst unorganisierten, Übernahme eine Bewegung entstehen sollte, die bis heute anhält.Natürlich war ein freier Ort wie dieser den Regierenden stets ein Dorn im Auge. Immer wieder wurde versucht das Gebiet zu räumen, was glücklicherweise auf Grund der großen Personenzahl fehlschlug.Freistaat Christiania - Geleibte Freiheit in Dänemark. Wie aus einer besetzten Kaserne eine staatlich geduldelter autonomer Bezirk wurde und was es dort zu sehen gibt In den Anfangen wohnten in Christiania um die 400 Anarchisten, Hippies, Künstler, Träumer, Umweltaktivisten und Freigeister. In den Neunzigern wurde Christiania schlussendlich von Dänemarks Behörden als soziales Experiment geduldet. Die Bewohner mussten sich in Gegenzug dazu bereit erklären ihre Nebenkosten zu bezahlen. Aber auch nach der Duldung war das Gebiet in Mitten der Stadt stets vom Abriss bedroht. Aus diesem Grund kaufte die selbstorganisierte Gemeinde 2011 ein großes Stück Christianias, finanziert durch sogenannte Volksaktien. Hoffen wir, dass so dieses Projekt auch weiterhin Idealisten aus der ganzen Welt als Inspiration dienen kann.

Politik und Organisation

Freistaat Christiania - Geleibte Freiheit in Dänemark. Wie aus einer besetzten Kaserne eine staatlich geduldelter autonomer Bezirk wurde und was es dort zu sehen gibt

Selbst wenn sich in Christiania über die Jahre viel verändert hat ist es weiterhin selbstverwaltet. Entscheidungen werden basisdemokratisch, nach dem Konsensprinzip, getroffen. In der Vollversammlung, der knapp 1000 Menschen umfassenden Gemeinschaft, werden alle Belange geklärt, die den ganzen Freistaat betreffen. In kleineren Gemeindeversammlungen wird nach Lösungen für die Probleme, der einzelnen Bezirke, gesucht. Es gibt nur wenige Regeln die zum Beispiel Waffen, harte Drogen, Gewalt, private Autos, Abzeichen von Bikerclubs und gestohlene Güter verbieten. Eine Polizei, die dieses Recht durchsetzt, gibt es jedoch keine. Es wird auf Selbstregulierung gebaut. Die Bewohner Christianias haben weder Mietverträge noch Hauseigentum. Wenn ein Wohnort frei wird, entscheidet die ganze Gemeinschaft wer dort als nächstes einziehen darf. Außerdem hat die hat der Bezirk mittlerweile Post, Kindergärten, Badehaus, Straßenreinigung und Müllabfuhr eingerichtet. Für mich ist der Freistaat so ein Beispiel dafür, dass Selbstverwaltung auch in größeren Dimensionen funktionieren kann.

Aus dem Leitbild von 1971:

Das Ziel von Christiania ist das Erschaffen einer selbst-regierenden Gesellschaft, in der alle und jeder für sich für das Wohlergehen der gesamten Gemeinschaft verantwortlich ist. Unsere Gesellschaft soll ökonomisch selbsttragend sein, und als solche ist es unser Bestreben, unerschütterlich in unserer Überzeugung zu sein, dass psychologische und physische Armut verhindert werden kann.“

Kultur und Architektur

Freistaat Christiania - Geleibte Freiheit in Dänemark. Wie aus einer besetzten Kaserne eine staatlich geduldelter autonomer Bezirk wurde und was es dort zu sehen gibt

Chistiania ist nicht nur eines der größten selbstverwaltete Projekte Europas, sondern auch eine der Haupttouristenattraktionen in Kopenhagen. Natürlich kommen viele, gerade jüngere, Menschen, weil sie dort kiffen können ohne kriminalisiert zu werden. Vor allem aber außerhalb der Coffeeshops hat der Ort viel zu bieten. Schon ein einfacher Spaziergang durch die Straßen ist ein Erlebnis für sich. Wenn man die „Pusher Street“ (Drogendealerstraße) hinter sich lässt und durch die kleinen Gassen schlendert, kann man Häuser bewundern, wie sie wohl an keinem anderen Ort zu findFreistaat Christiania - Geleibte Freiheit in Dänemark. Wie aus einer besetzten Kaserne eine staatlich geduldelter autonomer Bezirk wurde und was es dort zu sehen gibten sind. Nach geraden, weißen Mauern wird man hier vergebens suchen. Die meisten der selbstgebauten Wohnorte sind Kunstwerke für sich: schräg und schlief, bunt angemalt, mit kleinen liebevoll bepflanzten Gärten, könnten sie einer Tim Burton Produktion entsprungen sein. So schmiegt sich ein Haus nach dem anderen an den See, der die „Firstad Christiania“ teilt. Von dort aus kann man einen wunderschönen Sonnenuntergang über Kopenhagen genießen. Christiania ist außerdem bekannt für die Kunst und die Kultur, die sich innerhalb ihrer Mauern abspielt. Unzählige Konzerte und Workshops finden hier Platz. Es gibt ein Museum, Galerien und allerlei kleine Läden für Kunsthandwerk. Die hauseigene Theatergruppe „Solvognen“ ist weit über die Grenzen Kopenhagens bekannt. Außerdem findet man auf dem 34 Hektar großen Gebiet einen Skaterpark und eine buddhistische Pagode. Für das leibliche Wohl sorgen allerlei Cafes, Restaurants und Essensstände.

Als meine Entdeckungsreise durch die Straßen sich dem Ende neigte, nahm ich in einem alkoholfreien Cafe Platz um all die Eindrücke auf Papier zu bringen. Die Träume von Anarchie, die ich habe seit dem ich vierzehn bin, scheinen hier Wirklichkeit geworden zu sein. Ich verlasse Christiania durch ein Tor das sagt „Your now entering the EU“ und nehme mir dabei vor diesen Ort im Sommer noch einmal zu besuchen.

Quellen:
http://www.hej-daenemark.de/staedte/christiania-kopenhagen/
http://www.spatialagency.net/database/why/political/christiania
http://www.bygst.dk/english/knowledge/christiania/facts-and-figures/
https://de.wikipedia.org/wiki/Freistadt_Christiania#Kultur

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