Zu Hause, was ist das?

Ein Bett in dem man jede Nacht schläft? Eine Weltkarte an der Wand auf der man, sobald man seinen Rucksack fallen gelassen hat, mit ein paar Stecknadeln die Orte markiert, in die man sich dieses mal verliebt hat? Eine übergewichtige Katze, die einen anschnurrt? Ein Job, der die nächste Reise bezahlt? Einen paar Straßen, die man kennt seit dem man Kind war? Ein kleiner Bruder, der einen in die Arme schließt? Ein Wohnzimmer, in dem der Fernseher läuft? Eine Mutter, die froh ist das man wieder heil angekommen ist? Ich weiß nicht.

Seit ein paar Tagen bin ich wieder in dem kleinen Dorf im Süden Deutschlands, wo ich aufgewachsen bin. Mein Rucksack, der mich in den letzten zwei Monaten begleitet hat liegt leer im Schrank. Die wenigen Klamotten, die nach meiner Reise an 15 verschiedene Orte noch zu gebrauchen waren, sind gewaschen. Meine Wanderschuhe, die mich durch acht Länder getragen haben, stehen im Flur. Meine Familie freut sich das ich da bin, während es meiner Katze ist es wahrscheinlich ziemlich egal ist. Und ich? Ich weiß nicht.

Ich gehörte immer schon zu den Menschen, die Freiheit hundert mal gegen Sicherheit tauschen würden. Ich liebe es nur das zu besitzen, was mein 35 Liter Rucksack fassen kann und heute nicht zu wissen wo ich morgen schlafen werde. Deswegen war wohl auf der Heimfahrt mein Bedauern über das Ende der Reise größer als meine Vorfreude. Ich wollte nicht das mich der Bus heim bringt, sondern mich in fremden Orten verlaufen, unbekannte Sprachen auf der Straße hören und jeden Tag neue Menschen kennenlernen. Ich hätte weinen können als ich wieder in meinem eigenen Bett lag. Auch wenn es viel gemütlicher war als irgendein Hostelbett, konnte es nicht mein Fernweh stillen. Als ich am Sonntag zum ersten mal wieder arbeitete, war ich ganz erstaunt darüber, dass sich in den letzten zwei Monaten nichts verändert hatte, während ich jemand ganz anderes geworden war.

Mittlerweile geht es mir besser damit hier zu sein. Ich brauchte wohl einfach ein paar Tage um anzukommen. Es ist schön Zeit mit Menschen zu verbringen, die einen gut kennen. Das schwäbische Essen lässt den Vorsatz „Ich achte auf meine Ernährung sobald ich zu Hause bin“ schwer werden und die Arbeit im veganen Restaurant meiner Mutter macht mir Spaß. Außerdem freue ich mich sehr darauf Weihnachten mit meiner Familie zu verbringen. Ich brauche die Zeit hier auch um mich auf meine nächste Reise vorzubereiten. In fünf Wochen fliege ich nach Nepal. Dort will ich in verschiedenen Klöstern meditieren und ein paar Wochen im Himalaya Gebirge wandern. Danach geht es weiter nach Indien und im Sommer werde ich dann wohl wieder in meinem Bett liegen und die Welt vermissen.


3 Gedanken zu “Zu Hause, was ist das?

  1. Für mich war die logische Konsequenz: Ich muss wieder los. Jetzt geht es in ein paar Tagen auf Weltreise :O
    Heimkommen ist nie einfach gewesen, aber es war auch immer schön. Genauso wie es umgekehrt ist. Abschied und Wiedersehen liegen immer sehr nah beieinander 😉

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  2. Hallo Lea 🙂 Bin gerade über deinen Blog gestolpert und jetzt schon begeistert 🙂 Ich mag deine ehrliche und reflektierte Art zu schreiben.

    Ich kenne das Gefühl zu gut! Vorallem auch zu erkennen nach Reisen und Auslandsaufenthalten, dass man sich verändert hat aber eben viele andere nicht.

    Ich hoffe sehr für dich dass du dich irgendwann, irgendwo zuhause fühlst 🙂 Vielleicht ja auf immer durch die Welt tingelnd mit deinem Rucksack 🙂
    Für mich ist zuhause auf einem Pferderücken. Klingt platt, aber auf all meinen Reisen versuche ich zumindesst 1x reiten zu gehen 🙂 (haha weil ich sonst auch wochenlanng ohne Pferde unleidlich werde:D)

    Ganz lieben Gruß aus den Niederlanden!

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    1. Dankeschön! Für mich ist es immer die Natur. Sobald ich im Wald bin werde ich ruhig und fühle mich als wäre ich angekommen. Deswegen geht es auch jetzt erst mal nach Nepal wandern:)
      Aber reiten klingt auch toll.
      Viele liebe grüße 🙂

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