Was machen, wenn mal nichts läuft wie geplant?

bruckeDie letzten Wochen zu Hause waren vielleicht verrückter und turbulenter als die zwei Monate auf Reisen davor. Jetzt habe ich noch drei Tage Zeit bis mein Flug nach Nepal geht und beschlossen mir das mit dem Plänemachen zu sparen. Das Leben nimmt sie sowieso nie ernst. Im letzten Monat hier habe ich immer wieder angefangen mir Gedanken über Reiseziele und Aktivitäten zu machen. Ich informierte mich und fasste Entschlüsse. Sobald ich allerdings anfing mich auf etwas vorzubereiten, kam mir dieses Leben immer wieder in die Quere…

So ist es zum Beispiel ein großer Traum von mir den Anapurna Circuit in Nepal zu laufen. Einen Trail um das Anapurnamassiv bis auf 5400 Meter Höhe. Ich hatte schon die Einkaufsliste dafür auf meinem Schreibtisch liegen als ich anfing dafür zu trainieren. Ich packte acht Kilo Bücher in meinen Rucksack, so viel Gewicht würde ich auch auf der vierwöchigen Wanderung dabei haben. Voll beladen stapfte ich also durch die verschneiten Wälder meiner Heimat. trainingIch genoss es so sehr wieder mit meinem Rucksack in der Natur unterwegs zu sein, dass ich die Schmerzen in meinem Knie ignorierte als sie zum ersten mal auftraten. Ich lief einfach weiter. Auch am Tag darauf trainierte ich voller Vorfreude, ohne auf meinen Körper zu achten. Das sollte sich als großer Fehler herausstellen. Die Schmerzen in meinem Knie begleiten mich noch immer. Sogar schon beim Treppensteigen tut es jetzt weh. Das mit dem Trainieren habe ich deswegen erst mal aufgegeben. Ich bin vielleicht ein bisschen leichtsinnig, aber nicht dumm. Mir ist bewusst, dass es nicht die beste Idee ist, mit Knieproblemen im Hochgebirge Nepals zu wandern. Natürlich hoffe ich noch auf ein Wunder, aber ich habe mich so langsam auch an die Idee gewöhnt, dass ich diesen Punkt ein anders mal von meiner „Bucketlist“ streichen werde.

Es ist deprimierend wenn ich darüber nachdenke, wie lange die Wanderführer zum Anapurna Circuit schon auf meinem Nachttisch liegen. Aber ich habe beschlossen, positiv zu bleiben. Sehr lange hatte ich einen Ausspruch dsc_1123aus dem Zen an meiner Tür kleben, der lautete: “Erkennst du, sind die Dinge so wie sie sind. Erkennst du aber nicht, sind die Dinge immer noch so wie sie sind.“ Wie schwer es uns auch oft fällt die Pläne des Lebens zu akzeptieren, bleibt uns wohl nichts anders übrig. Zumindest nicht, wenn wir glücklich sein wollen. Buddhas dritte edle Wahrheit spricht davon was die Ursache für all unser Leid ist:

Was ist die Edle Wahrheit vom Ursprung des Leiden? Es ist Verlangen, das erneutes Dasein bringt und das von Vergnügen und Begierde begleitet ist, sich an diesem und jenem vergnügend: Nämlich Verlangen nach Sinnesvergnügen, Verlangen nach Dasein und Verlangen nach Nicht-Dasein.“

Vereinfacht gesagt: Wir leiden, weil wir immer das wollen, was wir nicht haben. Oder eben, das nicht wollen was wir haben. Wir leiden, weil wir gerne alles anders hätten. Allerdings macht es uns nicht glücklich immer nur das grünere Gras auf der anderen Seite des Zaunes zu sehen. Wir stecken oft in schwierigen Situationen fest, aber selbst dann ist eines sehr wichtig: Die Dinge anzunehmen wie sie sind. Wir müssen zuerst sehen wo genau wir stehen, bevor wir uns aufmachen können um in eine neue Richtung zu gehen.

Gerade wenn es uns nicht gut geht, fällt es uns oft schwer die Dinge so zu akzeptieren wie sie sind. Jedoch sind es oft die schwersten Rückschläge, die uns am meisten wachsen lassen.

Meine letzte Beziehung hatte ich vor 5 Jahren. Ich war 20 und glaubte, dass ich niemals Jemanden so sehr lieben würde wie ihn. Er verließ mich nach einem Jahr am Telefon. Wie ihr euch denken könnt, ging es mir ziemlich mies. Ich konnte für eine Woche nicht zur Arbeit gehen weil ich nur weinen musste. Ich konnte nichts essen. Ich war verzweifelt und hätte eines bestimmt nie gedacht – diese Trennung würde sich als eines der besten Dinge herausstellen, die mir in meinem Leben je passiert sind. Dadurch, dass ich wirklich ganz unten war, gab es nur noch einen Weg für mich – nach oben. Es war ein harter Kampf, aber nachdem die schlimmste Trauer vorbei war, veränderten zwei Dinge mein Leben komplett. Erstens, ich lernte nun zum ersten Mal, dass nur ich selbst für meine Gefühle verantwortlich bin. Zweitens, ich fing an zu reisen.winterwald Heute sind Selbstverantwortung und das Reisen zu Grundpfeilern in meinem Leben geworden. Diese hätte ich wohl nie gefunden, wenn die Beziehung nicht in die Brüche gegangen wäre. Es ist faszinierend zu sehen, wie eine Sache zur anderen geführt hat wenn wir auf unser Leben zurück blicken. Nur weil wir die Dinge, die uns heute passieren, noch nicht verstehen können, heißt es nicht, dass sie keinen Sinn haben.

Gerade wenn unsere Wege holprig sind werden wir uns wieder dagegen stäuben. Es ist schwer, die Dinge anzunehmen wie sind. Jedoch macht es uns glücklicher, wenn wir uns dem hingeben was ist, um zu schauen was passiert. Wir müssen einfach nur Vertrauen haben.

Deswegen fliege ich jetzt einfach mal, ohne irgendwelche Pläne zu haben, nach Nepal. Für die ersten Tage habe ich einen Couchsurfinghost in Kathmandu, sonst ist wirklich gar nichts „gebucht“. Es gibt kein Rückflugticket. Vielleicht gehe danach weiter nach Indien, Israel und Marokko. Vielleicht verschlägt es mich aber auch ganz wo anders hin. Ich habe Zeit bis zum Sommer und für diese Reise seit 2 Jahren gespart.

Knieprobleme hin oder her, das Leben könnte nicht besser sein.

Wie ist es bei euch? Welche Situationen, die schwer waren, haben sich im Nachhinein als wertvoll für euer Leben herausgestellt?


6 Gedanken zu “Was machen, wenn mal nichts läuft wie geplant?

  1. das ist ein sehr interessanter artikel 🙂 ich muss sagen, dass ich weder spirituell bin noch mich mit irgendeiner religion auskenne, aber der ansatz i gefällt mir. ich bin sehr optimistisch und -nachdem
    mir das erste mal so richtig das herz gebrochen wurde und es wider erwarten auch wieder geheult ist – glaube immer daran, dass alles wieder gut wird und sich schon alles immer irgendwie fügt. bis jetzt war es bei mir auch immer so und ich nehme meinen status quo immer als maßstab, gefällt mir mein leben, dann hatte schon alles vorher seine richtigkeit 🙂
    ich wünsche dir alles gute für seine reise und hoffe, dass du sie trotz knieproblemen genießen kannst!

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    1. Danke 🙂 Heute geht es los und mein knie ist zum Glück gar nicht mehr so schlimm:) ich habe mal in einem Buch gelesen: „Ein Herz kann nur einmal brechen, alles andere sind nur Kratzer.“ Vielleicht ist das damit gemeint… wenn du diesen einen riesigen Liebeskummer überlebt hast, weißt du, dass du alles schaffen kannst 🙂

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  2. Alles im Leben hat seinen Sinn. So ein abgedroschener Satz. Aber es ist so, auch wenn man es in der Situation nicht erkennen und verstehen mag, – es oft auch total schwer zu akzeptieren ist – aber im Rückblick erkennt man immer wieder: „wäre dies nicht gewesen wär jetzt das nicht“. Das wichtigste ist, offen zu bleiben für alles was im Leben so kommt. Wir wünschen dir eine wundervolle Reise. Was auch immer sie für dich bereithält! Liebe Grüße

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  3. „Ich bin vielleicht ein bisschen leichtsinnig, aber nicht dumm.“,Sätze die meine Mutter über mich sagt 😉 Toller Schreibstil und ein toller Beitrag zu einem Thema das mich auch immer wieder/ständig beschäftigt. Danke! 🙂 und schön, dass ich dich gefunden habe. Der Text ist ja jetzt auch schon eine Weile her. Ich hoffe es ‚läuft‘ wieder bei dir.

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