Kathmandu

streetartkathmanduSeit über einer Woche bin ich nun in Kathmandu. Es hat sich herausgestellt, dass es die richtige Entscheidung war ohne Pläne hierherzukommen. Nach drei Nächten im Hostel wurde ich eingeladen in einem wunderschönen tibetisch-buddhistischen Kloster zu leben und einen Meditationskurs bei einem sehr inspirierenden Lehrer zu besuchen. Ich fühle mich jeden Tag auf´s Neue gesegnet und danke Vishnu (zu dem ich Neuestens auch bete) für die wundervollen Gelegenheiten, die mein Leben für mich bereit hält.

kabel

Es fällt mir schwer zu glauben, dass es erst 9 Tage her ist, dass ich müde und verschwitzt aus dem Flughafen trat und mich eine Welle an Eindrücken überrollte.Die Hauptstadt Nepals ist laut und dreckig. Der Smog liegt dicht über den Dächern und verdeckt einem die Sicht auf die höchsten Berge der Welt. Die Straßen und die „Verkehrsregeln“ sind abenteuerlich. Der Blinker wird hier durch wildes Gehupe ersetzt, weswegen in der Stadt ständig ohrenbetäubender Lärm herrscht. Überall liegt Müll, dazwischen suchen Straßenhunde nach Essbarem. Über den engen Gassen voller Schlaglöcher, spannen sich haufenweise Kabel, die nicht gerade einen vertrauensvollen Eindruck erwecken….

Trotzdem war ich vom ersten Moment an verliebt. Dieser hat einen besonderen Zauber, den man nur schwer beschreiben kann. Vor allen Dingen bin ich begeistert von den unzähligen religiösen Stätten Kathmandus. Man nennt diese Stadt nicht umsonst die Stadt der tausend Tempel. Unscheinbare kleine Schreine, die unbekannten hinduistischen Göttern geweiht sind, verstecken sich an beinah jeder Straßenecke.tempel Riesige goldene Buddhastatuen thronen ehrfurchtgebietend über dem Chaos zu ihren Füßen. Massenweise Gläubige umrunden mit Gebetsketten in der Hand Stupas, die bis in den Himmel reichen. Im Morgengrauen bekommen die uralten Tempel etwas mystisches, wenn die Einheimischen ihre Rituale ausführen und der Geruch von Räucherwerk den Smog für ein paar Sekunden verscheucht. Nicht immer lässt sich genau bestimmen zu welcher Religion die Gebetsstätten gehören. Hier in Nepal hat sich der Buddhismus schon lange mit hinduistischen Riten und lokalen Bräuchen vermischt. Viele Hindus glauben sogar, dass Buddha eine Wiedergeburt Shivas, einem ihrer wichtigsten Götter, war. Aus diesem Grund sind wohl oft auch die hinduistischen Tempel von buddhistischen Gebetsmühlen* umgeben oder man sieht Buddhastatuen mit dem Dreizack (dem Symbol Shivas) in der Hand. Es fällt mir schwer zu begreifen welcher Gott zu welcher Religion gehört und oft habe ich das Gefühl, dass selbst die Gläubigen nicht immer wissen zu wem sie gerade genau beten. Es ist sehr schön zu sehen, dass sich nicht alle Religionen gegenseitig bekriegen. Hier in Nepal leben Hindus und Buddhisten friedlich zusammen.

Auch in dem Kloster, in dem ich die letzten Tage übernachten durfte, gibt es allerlei Fremdes zu bestaunen. Wie auch das Christentum, hat der Buddhismus über die Zeit verschiedene Schulen hervorgebracht. So unterscheidet sich der Theravada Buddhismus, den ich bisher kannte, sehr von dem tibetischen Buddhismus (Mahayana), der hier praktiziert wird.Zum Beispiel haben die Mönche hier Privatbesitz, es wird nach 12 Uhr Mittags noch gegessen undphockchong sogar Fleisch serviert. Das alles sind Dinge die in dem Kloster, das ich in Bayern regelmäßig besuche, nicht erlaubt wären. Auch wenn es im Buddhismus eigentlich keine Götter gibt, werden in der tibetischen Tradition die Bodhicattvas* beinahe als solche angebetet. Meditation findet hier im Kloster keine statt, dafür wecken uns jeden morgen um 5 Uhr die Chantings, die von lauten Trompeten und Trommeln begleitet werden. Das Leben hier hat seinen eigenen Rhythmus und seine eigenen Wunder. Die Schule, die das Kloster leitet, beherbergt um die 100 Schüler, die sich zu ihren Mahlzeiten vor meinem Fenster versammeln. Ich kann auch nach einigen Tagen immer noch nicht genug kriegen von dem Anblick der Kinder mit kahl geschorenem Haar und in roten Roben.

Trotzdem ist es Zeit für mich Kathmandu zu verlassen. Obwohl ich die Stadt sehr mag, sehne ich mich danach den blauen Himmel wieder zu sehen und klare Luft zu atmen. Morgen werde ich in ein kleines Dorf nord-östlich von hier fahren, um dort Freiwilligenarbeit zu leisten. Ich freue mich auf die körperliche Arbeit, nachdem ich die letzten Tage sehr viel Zeit mit Meditation verbracht habe.

 

*Gebetsmühlen enthalten Mantras in ihrem Inneren und es wird gesagt, das diese beim Drehen in die Welt gesendet werden.
*Bodhicattvas sind Erleuchtete, die sich dazu entschieden haben, allen Wesen zur Befreiung aus dem Lebenskreislauf zu helfen, statt selbst ins Nirvana aufzugehen.

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