Zusammenleben wie es sein sollte

nepalnaturSeit Samstag lebe ich im Paradies. Auch wenn es vielleicht übertrieben klingen mag,besser kann ich diesen Ort nicht beschreiben. Es ist wunderschön endlich in der Natur Nepals zu sein. Ich arbeite und wohne in einem Projekt namens Concious Impact, dessen Ziel es ist eine vom Erdbeben zerstörte Region wieder aufzubauen.

Mal wieder bin ich fasziniert davon, wie selbst die kleinsten Dinge unser Leben beeinflussen können. Als ich in Kathmandu vom Hostel in das tibetische Kloster gezogen bin, habe ich mein Handtuch vergessen. Nathaniel lernte ich kennen, als ich zurück kam um es zu holen. Er war es, der mit zum ersten mal von Conscious Impact erzählte. Ein paar Tage später nahmen wir gemeinsam den Bus nach Takure. Der Ort ist so winzig, dass Google Maps ihn nicht finden kann. Er liegt eine 5 Stunden Busfahrt, (35 km Luftlinie!) nordöstlich von Kathmandu in den Ausläufern der Himalajas.

„Endlich raus aus Kathmandu! Ich sitze in einem „Localbus“ nachlocalbusnepal Nawalpur. Der Bus stößt schwarzen Rauch aus und die Bremsen quietschen so laut, dass sie sogar die nepalesische Musik übertönen, die aus den Lautsprechern dringt. Das Auf- und Abhüpfen des Busses sortiert alle meine Knochen neu… Gerade hat mir ein Nepalese erzählt, dass wir für die 25 Kilometer zum nächsten Ort 2,5 Stunden brauchen werden… Neben mit geht es einen steilen Abhang hinunter. Ich spreche leise Gebete um meine Angst zu besänftigen.“ Auszüge aus meinem Notizbuch

Der Bus hält an einer Wegbiegung, wo nur ein paar kleine Wellblechhütten stehen. Wir folgen der staubigen Straße noch für ein Stück und biegen dann rechts auf einen kleinen Pfad in den Wald ab. campkucheNach circa hundert Metern erreichen wir das Camp. Das Gelände, auf dem alle wohnen, die an dem Projekt Concious Impact mitarbeiten, erstreckt sich über circa zehn der für die Gegend typischen Terrassen. Es gibt ein paar einfache „Gebäude“ aus Wellblech und Bambus, die Küche und Gemeinschaftsraum beherbergen. Das Dach und die Wände der Bücherei und des Büros bestehen aus aufgespannten Plastikplanen. Auf der nächsten Terrasse stehen Komposttoiletten und kalte Duschen. Weiter unten findet man ein großes Tipi, in dem man Feuer machen kann. Gerade wohnen um die 37 Freiwillige in Zelten, die auf dem gesamten Gelände verteilt sind.tipi

 

Ich bin erst seit knapp einer Woche Teil dieses wundervollen Projekts, aber schon von ersten Moment an fühlte ich mich hier wie Zuhause. Nicht nur die wunderschöne Natur hat dazu beigetragen, dass ich hier ein bisschen zur Ruhe kommen kann, sondern vor allen Dingen die Freundlichkeit und Offenheit der bunten Gruppe hier. Jeden Abend vor dem gemeinsamen Abendessen kommen alle in einer großen Runde zusammen und jeder Einzelne teilt die Dinge, die ihn besonders dankbar machen. gemeinschaftsraumSchon oft habe ich erfahren dürfen, dass Dankbarkeit zu den Grundpfeilern eines glücklichen Lebens zählt. Welche große Rolle sie auch bei einem harmonischen Zusammenleben spielt, darf ich hier erfahren. Gegenseitige Wertschätzung gehört im Camp ganz selbstverständlich zum gemeinsamen Alltag und sorgt dafür, dass sich alle wohlfühlen. Der Abwasch mit kaltem Wasser und Asche zum Beispiel, geht viel leichter von der Hand, wenn mir dabei jemand im Vorbeigehen auf die Schulter klopft. Es kostet uns nicht viel, aber von Zeit zu Zeit Danke zu sagen, tut dem Zusammenleben wirklich gut. Nicht nur das, es hilft uns auch selbst. Dadurch fällt es uns leichter die positiven Aspekte unseres Gegenübers zu sehen. Jeder hat seine eigenen guten und schlechten Seiten. Nur leider fokussieren wir uns zu oft nur auf die schlechten Eigenschaften eines Menschen und vergessen dabei wie viel Wertvolles er in sich trägt. Auch Ehrlichkeit hilft uns in Frieden mit anderen zu Leben und wird hier praktiziert. Wenn wir uns von einem anderen Menschen gekränkt fühlen, ist es so wichtig zu kommunizieren. Du nimmst deinem Gegenüber sonnst die Möglichkeit an seinen Fehlern zu wachsen. Viele Streitereien entwickeln aus Missverständnissen und fehlenden Gesprächen. Kränkungen entstehen oftmals einfach durch Unachtsamkeit, nicht immer steht dahinter eine böse Absicht. Deswegen ist es so wichtig, unseren Mitmenschen zu sagen, wenn sie uns verletzen. Es tut gut der Wut, die in solchen Situation entsteht, Ausdruck verleihen. Sonnst staut sie sich an und irgendwann muss man explodieren. Da ist ein klärendes Gespräch mit ruhiger Stimme so viel entspannter. Auch das macht wohl das Zusammenleben hier so harmonisch und trägt dazu bei, dass man sich hier im Camp einfach sofort wohlfühlen muss.

Ich bin wirklich dankbar, Conscious Impact gefunden zu haben. Spätestens beim Anblick der Bücherei wusste ich, dass ich diesen Ort nicht so schnell verlassen werde. Die nächsten Wochen werde ich also hart arbeiten und die Natur sowie die Gemeinschaft hier genießen.


3 Gedanken zu “Zusammenleben wie es sein sollte

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s