Pashupatinath: Ein Ort voller Gegensätze

Hinduismus in Nepal

Shivalingam und Shivastatue in Nepal
Altar eines kleinen Shivatempels in Pokhara. Von rechts nach links: drei Shivalingams einer davon mit Schlange, Statue des Gottes Shiva, davor verschiede Opfergaben

In Nepal ist der Hinduismus allgegenwärtig. An jeder Ecke sieht man mit Farbe übersäte Schreine oder ehrfurchtgebietende Tempel verschiedener Götter. Die Vielschichtigkeit dieses Glaubens ist überwältigend. Tag für Tag lese ich mehr und lerne neue Geschichten, aber es scheint unmöglich zu sein diese uralte Religion zu begreifen. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass der Begriff Hinduismus ein weites Feld an Glaubensrichtungen zusammenfasst. Zudem leben in Nepal über 60 verschiedene Kulturgruppen, die oftmals den hinduistischen Glauben mit ihren eigenen Bräuchen vermischen und zu anderen Göttern beten.

Wissenswertes über den Hinduismus

Die drei wichtigsten Götter in den Hinduistischen Glaubenssystemen sind Brahman, der Schöpfer, Vishnu, der Erhalter und Shiva, der Zerstörer. Diese werden zusammen mit ihren Kindern und Gefährtinnen in vielen verschiedenen Formen angebetet. Daneben gibt es tausende weitere Götter in allen möglichen Gestalten. Trotzdem ist der Hinduismus entgegen der weitläufigen Annahme streng genommen keine polytheistische Religion. (Polytheismus bezeichnet den Glaube an eine Vielzahl von Göttern.) Für die meisten Gläubigen versinnbildlicht die vielfältige Götterwelt lediglich die verschiedenen Aspekte eines höchsten Gottes.

Shiva

Der hinduistische Gott Shiva
Shiva mit seinen Symbolen Dreizack, Schlange, Halbmond im Haar und Lingam.

In der letzten Woche habe ich mich hauptsächlich mit dem Gott der Zerstörung, Shiva, auseinandergesetzt. Zusammen mit Brahman und Vishnu symbolisiert Shiva zwar die zerstörerische Kraft, im Shivanismus allerdings, einer Abspaltung des Hinduismus, stellt er die Manifestation des Höchsten dar und verkörpert neben der Zerstörung auch Schöpfung und Erhaltung. Der wichtigste Tempel Shivas in Nepal ist Pashupatinath. Ein UNESCO Weltkulturerbe, das nur 3 Kilometer von Kathmandu entfernt liegt und für mich sicherlich zu einem der interessantesten Orte der Welt zählt.

Die Legende um Pashupatinath

Blick auf den Hauptempel von Pashupatinath
Der Haupttempel von Pashupatinath (mit goldenem Dach) darf nur von Hindus betreten werden.

Um den Ursprung von Pashupatinath ranken sich viele Legenden. Eine davon besagt, dass Shiva mit seiner Gefährtin Parvati auf einer Reise durch das Kathmandutal gekommen sein soll. Weil ihnen der Wald in diesem Tal so gefiel, ließen sie sich am Ufer des Bagmati Flusses nieder. Friedlich lebte der Gott und seine Gefährtin dort in der Gestalt von Rehen und bald schon war Shiva bei all den Tieren des Dschungels als „Pashupati“, Herr aller Wesen, bekannt. Den beiden gefiel es dort so gut, dass sie sich wehrten, als Götter und Menschen sie zurück zu ihrer Pflicht rufen wollten. Bei dem Kampf, der daraufhin entbrannte, verlor der Hirsch Shiva sein Geweih. Die Legende besagt, dass das Geweih in vier Teile zerbrochen wurde, weswegen der Shivalingam in Pashupatinath mit vier Köpfen dargestellt wird. Der Tempel soll heute genau dort stehen, wo das Götterpaar gelebt hat.

Eine Stadt für sich

Leichenverbrennung am Ufer des Bagmati in Pashupatinath
Am Ufer des Flusses, der durch Pashupatinath fließt, verbrennen Gläubige ihre Toten.

Wann der Tempelkomplex genau gebaut wurde ist unklar. Teile davon lassen sich jedoch auf das 4. Jahrhundert vor Christus datieren. Damit gilt Pashupatinath als einer der ältesten Tempel in Kathmandu. Heute ist um den Haupttempel, der nur Hindus zugänglich ist, eine kleine Stadt entstanden, in der es viel zu sehen gibt. Das Gelände beherbergt verschiedene Ashrams, in denen Gläubige leben und praktizieren. Außerdem wohnen Sadus, hinduistische Asketen, in Pashupatinath, wo sie Shiva am nächsten sind. Affen klettern über Dächer und klauen Opfergaben aus den über 490 Tempeln, die auf dem Gelände verteilt sind. Kühe, die im Hinduismus als heilig gelten, laufen frei herum. An den Ufern des heiligen Flusses Bagnasi verbrennen Angehörige ihre Toten, weswegen der Geruch von verbranntem Fleisch allgegenwärtig ist. Entgegen meiner Annahme war Pashupatinath bei meinem Besuch nicht von Touristen überlaufen, sondern ist immer noch ein Ort dessen Bild von Gläubigen geprägt wird.

Eine Shiva Puja

Priester bei Shiva Puja in Pashupatinath
Einer der drei Priester bläst wärend der Puja in ein Muschelhorn. Auf der anderen Seite des Flusses liegt ein Leichnahm zur verbrennung bereit.

Die beste Zeit, die Tempel zu besuchen, ist wohl frühmorgens oder abends nach Sonnenuntergang, wenn die farbenfrohen Massen zur Puja strömen. Eine hinduistische Puja ist ein Art Gottesdienst, hat aber mit einer christlichen Messe nichts gemeinsam. In Pashupatinath vollführen drei Priester dazu eine Reihe an Ritualen mit Feuer, Fächern und Muscheln, die ich nicht verstehe. Währenddessen tönen verschiedene Mantras aus den Lautsprechern, die von den Gläubigen lauthals mitgesungen werden. Die Stimmung während der Puja ist ausgelassen, einige Jugendliche tanzen, die Menge klatscht und jubelt. Immer wieder wird „Shiva Shambo“ gerufen.

Meditation in Pashupatinath

Vor dem Haupttempel Pashupatinaths
Pashupatinath zu besuchen war eine besondere Erfahrung für mich, die mich einiges gelehrt hat.

Nach der Puja eilen die Gläubigen nach Hause und ich sitze noch eine Weile an dem Ufern des Bagmati und beobachte die Feuer. Pashupatinath ist wirklich ein besonderer Ort, der keine größeren Gegensätze vereinen könnte. Das ausgelassene Feiern des Glaubens während der Puja scheint so gar nicht zu den Totenfeuern auf der anderen Seite des Flusses zu passen. Aber nicht alle Kulturen verbinden mit dem Tod etwas Schlimmes. Dadurch das im Hinduismus der Glaube an Reinkarnation weit verbreitet ist, stellt der Tod kein Ende sondern einen Übergang in etwas Neues dar. Trotzdem kann ich mir wohl keinen besseren Ort vorstellen um über die Vergänglichkeit des Lebens zu meditieren, als in Pashupatinath.

Fakten:

Pashupatinath ist mit lokalen Bussen vom Ratna Park, nahe Thamel, einfach zu erreichen (ca. 20 NRS) Mit dem Taxi bezahlt ihr von Thamel, (je nachdem wie gut ihr im Handeln seid) 300 bis 700 Rupien. Der Eintritt für Pashupatinath ist mit 1000 Rupien ziemlich teuer, aber während und nach der Abendpuja kontrolliert keiner mehr ob ihr ein Ticket habt.

Quellen:
http://www.pashupatinathtemple.org/Pashupatinath-Temple-History.html
http://www.welcomenepal.com/places-to-see/pashupatinath.html
https://en.wikipedia.org/wiki/Pashupatinath_Temple

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