Bam, Bam, Bambhule! Pilgern für Shiva

Rishikesh
Rishikesh- wenn man genau hinschaut sieht man auch auf dem Bild die orange gekleideten Pilger auf der Brücke und am Ufer des Ganges

Vor ein paar Tagen kam ich in Rishikesh, Yogahauptstadt der Welt, an. Ich kam mit der naiven Überzeugung in die Stadt ich müsse nur an ein paar Türen klopfen, dann würde ich schon einen Ashram zum Üben finden. So wanderte ich knapp 4 Stunden im Regen mit meinem schweren Rucksack durch die Stadt, allerdings ohne Erfolg. Die meisten Plätze, die meinem Budget entsprachen, waren leider schon voll. Immer wieder wurde mir erklärt, dass es gerade in dieser Zeit schwierig wäre einen Ashram zu finden, weil das Shiva-Festival bald anfangen würde.

Deswegen quartierte ich mich erst mal in einem Hostel ein und versuchte mehr über dieses Festival heraus zu finden.

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Shiva, ein Gott mit vielen Namen

Shraavana, der fünfte Monat im Hindu Kalender, würde in ein paar Tagen anbrechen. In diesem Monat beginnt nicht nur der Monsun, sondern er stellt für viele Hindus auch den heiligen Monat des Gottes Shiva dar. Aus ganz Indien strömen deswegen Gläubige nach Rishikesh um zu dem Neelkanth Mahadev Tempel zu pilgern, der auf einem Hügel nahe der kleinen Stadt liegt.  Die Legende besagt, dass der Gott Shiva um das Universum zu retten Gift aus dem Meer trank, das seinen Rachen blau färbte. So erhielt er einen seiner vielen Namen Neelkantha („neela“ = blau, „kantha“= Rachen). Weiter heißt es, dass ein Heiliger daraufhin Wasser als Opfer zu seinem Tempel brachte und den Gott so rettete. Heute wird diesem Vorfall gedacht, indem Gläubige Wasser aus dem Ganges zu dem circa 15 Kilometer entfernten Tempel bringen und dort über dem Shivalingam ausschütten.

 

Da mich religiöse Rieten unglaublich faszinieren und Shiva zu einem meiner Lieblingsgötter gehört, beschloss ich mich den Pilgern anzuschließen. Zusammen mir zwei Freunden aus dem Hostel machte ich mich morgens um 6: 30 Uhr auf den Weg. Wir hatten keinen blassen Schimmer was uns erwarten würde. Ich füllte ein bisschen Wasser aus dem Fluss in eine kleine Flasche, murmelte ein Shivamantra und wir liefen los. Bald schon stießen wir auf die Hauptpilgerroute und ich war überrascht.ShivaPilger Ich hatte zwar gehört, dass viele Menschen sich auf den Weg zu dem Tempel machen würden, aber mit dem Massen, den wir begegneten, hätte ich nicht gerechnet. Hunderte wenn nicht sogar tausende Pilger waren unterwegs. Die meisten davon komplett in orange, eine heilige Farbe, gekleidet und alle mit kleinen oder großen Wasserflaschen bewaffnet. Das ganze erinnerte mich ein bisschen an Deutschland zur Fußball WM. Auf dem Weg herrschte eine ausgelassene Stimmung und immer wieder brachen Sprechchöre mit „Bam Bam Bambhule!“ (Ein Name Shivas) oder anderen Mantras aus. Von kleinen Kindern bis zu alten Frauen begegnete uns die verschiedensten Menschen auf dem Weg. Die Mehrzahl der Pilger bestand jedoch wohl aus Gruppen junger Männer. Gerade bei ihnen scheint Shiva ein sehr beliebter Gott zu sein. Er stellt in der hinduistischen Dreieinigkeit neben Brahma, dem Schöpfer, und Vishnu, dem Erhalter, den zerstörenden Aspekt Gottes dar. Außerdem soll er gerne Ganja rauchen, weswegen auf diesem Pilgerweg immer wieder Shilums und Joints in zu Ehren des Gottes herum gereicht wurden. Obwohl nach einer Weile bestimmt jeder Pilger stoned war und viele barfuß liefen lege die Menge ein beeindruckendes Tempo vor, dem wir nicht immer folgen konnten. Der Weg wurde Stück für Stück steiler und Stunde um Stunde wurde es heißer. Zum Glück ist aber auch für das leibliche Wohl der Pilger gesorgt. An jeder Ecke gab es Stände mit Snacks und Getränken, an denen wir uns stärken konnten. Auch konnte man am Wegesrand Opfergaben oder Shiva Fanshirts kaufen und sich sogar tattowieren lassen.

 

Ein paar Stunden und 15 Kilometer später kamen wir durchgeschwitzt und erschöpft oben auf dem Hügel an. Jetzt wurden es Meter für Meter mehr Menschen, weil auch die Pilger, die mit dem Auto unterwegs waren, zu uns stießen.

Anstehen
Anstehen vor dem Tempel

Einmal mehr beeindruckte mich die Menschenmasse. Die Schlange vor dem Tempel war sehr lang. Im Western, wo der Glaube nur noch eine untergeordente Rolle spielt, wäre das kaum vorstellbar. Hier ging es schließlich nicht nicht um das neuste I-phone, nicht darum Justin Biber live zu sehen oder darum Black Friday Schnäppchen zu machen, sondern um einen uralten Gott. Die Begeisterung der Gläubigen war ansteckend. Auch nach stundenlangem Laufen ließen die Pilger keine Müdigkeit erkennen und die „Bam Bam bambhule“ Rufe nahmen nicht ab. Als wir nach einer Weile endlich zum Tempel vorgelassen wurden ging alles ganz schnell. Ich hatte gerade so die Möglichkeit mein Wasser über dem Lingam auszukippen und ein kurzes Gebet zu murmeln bevor die Sicherheitsleute mich weiter drängten. Es gab schließlich noch andere Pilger, die Shiva die Ehre erweisen wollten. Wie so oft gilt hier wohl auch,der Weg ist das Ziel.

 

Nachdem wir uns kurz von der Wanderung ausgeruht haben, machten wir uns auf den Rückweg. Den Berg hinunter ging es nicht zu Fuß sondern mit einem Jeep, der bis zum Rand mit Leuten vollgepackt war. Allerdings machte mir nach dem anstrengenden Tag voller Eindrücke weder der rasante Fahrstil unseres Fahrers noch der Geruch nach Erbrochenem, der bald das Gefährt erfüllte, etwas aus. Ich war sehr glücklich diese Erfahrung gemacht zu haben und bin mir sicher, dass dieser Pilgerweg zu einem der interessantesten Erlebnisse meiner Indienreise zählen wird.

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Leider das einzige Bild, das ich von dem Tempel habe. Um bessere Fotos zu machen waren es einfach viel zu viele Menschen.

 


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