Amritsar: Großzügigkeit in der heiligen Stadt der Sikh

GoldenerTempel

Wenn ich bei meinen Reisen um die Welt Tempel, Kirchen und Moscheen besuche, kann ich nicht umher ihre architektonischen Wunder zu bestaunen. Ich kann allerdings auch nicht umher ihren Zweck zu bezweifeln. Gibt es wirklich irgendjemand der glaubt, dass Gott ein pompöses Gebäude braucht? Wie kann man denn eine Gold ummantelte Kirche für sinnvoller halten als eine Schule, ein Waisenhaus oder ein Krankenhaus? Im Goldenen Tempel, Heiligtum der Sikh, musste ich mir zum ersten mal diese Fragen nicht stellen. In einem Gebäude neben dem Tempel wird nämlich täglich an 75.000 Menschen Essen ausgegeben, unabhängig von Alter, Geschlecht, Kaste, Religionszugehörigkeit oder Herkunft. An keinem anderen heiligen Ort habe ich je mehr Großzügigkeit und Güte erfahren…

Es war die Neugier die mich dazu trieb mich dazu Amritsar, die heilige Stadt der Sikh, zu besuchen. Bis vor einer Woche wusste über diese Glaubensgemeinschaft nur, dass ihre Angehörigen Turban tragen.

Sikh
Der beeidruckenste Turban, den ich gesehen habe

Schnell aber lernte ich was es bedeutet Sikh zu sein und wurde von diesem, für mich neuen, Glauben verzaubert. Schon wenige Minuten nach meiner Ankunft in Amritsar gab es die erste Überraschung.Vom Bahnhof aus gibt es einen Bus der Pilger, Gläubige und Touristen gleichermaßen umsonst zum Goldenen Tempel bringt. Außerdem wurde uns während wir warteten Tee und Chapatis in die Hand gedrückt. So konnte ich nicht umher mich direkt willkommen zu fühlen und meine Neugierde auf die Sikh stieg. 20 Minuten später hatten wir den Tempelkomplex erreicht und waren in einem anderen Universum. Ich hätte schwören können Indien verlassen zu haben. Alles war sauber und tadellos, nirgendwo lag Müll und ich konnte weit und breit keine Kühe sehen. Zudem stimmte es tatsächlich: Es gibt ein Gästehaus, das kostenlos Pilger beherbergt. Wobei Gästehaus vielleicht der falsche Begriff ist für den Komplex in dem über 500 Besucher umsonst übernachten. Nachdem wir unsere einfache Unterkunft bezogen hatten, wurde uns erklärt, dass wir nur über die Straße müssen würden um zu „Guru Ka Langar“ zu kommen, wo es kostenloses Essen gab.

Langar
Guru Ka Langar

Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich noch nie in meinem Leben so viele Teller auf einem Haufen gesehen habe. Tatsächlich werden dort täglich 75.000 Mahlzeiten ausgegeben und zu heiligen Festen kann die Zahl sogar auf knapp das Doppelte ansteigen. Obwohl ich noch nichts über die Sikh wusste, war ich von dieser Religion schon nach wenigen Stunden in Amritsar begeistert.

 

Es gibt aber wohl keinen besseren Ort über die Sikh zu lerne, als in ihrer heiligen Stadt. So verbrachte ich Stunden damit um den heiligen See zu laufen, der ihren wichtigsten Tempel beherbergt, hörte ihre Gebete aus den Lautsprechern und beobachtete Menschen. Die Sikh unterscheiden sich nicht nur äußerlich, durch ihren Turban und das sichtbar getragene Schwert, von anderen Religionsangehörigen.SikhvorTempel Sie legen nicht viel Wert auf komplizierte Glaubenssysteme, viel mehr ist es ihnen wichtig ihren Glauben mit dem Alltag zu verbinden. So sind ihre drei wichtigsten Grundsätze: 1. Über den Namen Gottes zu meditieren bzw. zu beten 2. Ihren Lebensunterhalt durch ehrliche Arbeit zu verdienen und 3. Die Früchte ihrer Arbeit mit anderen zu teilen. Bei jedem Spaziergang über die Tempelanlagen konnte ich beobachten wie sich diese einfache Philosophie in den Menschen widerspiegelt. Einmal kam ein Mann auf uns zu und fragte ob es irgendetwas gäbe das er für uns tun könne – einfach so. Wir waren erst mal sprachlos. In der ganzen Woche dort fiel es mit schwer das Ausmaß der Selbstlosigkeit dieser Menschen zu begreifen. Die riesige Küche bedient die Menschen 24 Stunden am Tag mit Essen und wird komplett von Freiwilligen geführt. Als ich meinen Teil dazu beitragen wollte und ein bisschen beim Abwasch helfen wollte, war es fast schon schwer einen Platz an einem der Waschbecken zu erhaschen weil sich so viele Helfer darum drängten.

Spülküche
Die überfüllte Spülküche des Tempels

 

Die Sikh mögen von Außen vielleicht gefährlich wirken, jedoch habe ich an kaum einem anderen Ort der Welt mehr über das Geben gelernt. Zu Geben ohne Grund, ohne Erwartung und ohne dabei an uns selbst zu denken.


Ein Gedanke zu “Amritsar: Großzügigkeit in der heiligen Stadt der Sikh

  1. Ist schön, dass du Amritsar und die Sikhs so positiv erlebt hast. Mir ist es da ganz anders ergangen. In der kostenlosen Unterkunft habe ich schon deshalb nicht gewohnt, weil mich viele vor Wanzen und mangelnder Hygiene warnten. Im Ort außerhalb des Tempelbezirks habe ich sehr viel Müll und Armut gesehen. Und die extreme sexuelle Anmache von einem Sikh hat mir den Aufenthalt dann ziemlich verleidet. Da habe ich im nahen Pakistan sehr viel mehr Freundlichkeit und Großzügigkeit durch die Menschen dort erlebt.
    Wenn Menschen ihre Dankbarkeit einem Gott gegenüber mit Gold und Prunk zeigen möchten, wenn sie wollen, dass ihr Gott eine großartige Unterkunft hat, ob Kirche, Tempel oder Moschee, so sollte man das nicht verurteilen. Das ist ein menschliches Bedürfnis.
    LG
    Ulrike
    p.s. prüfe mal deine Rechtschreibung und vor allem deine Komma-Setzung. So macht das Lesen deines wirklich netten Artikels keinen Spaß

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